Going to Ireland

Meine kurze persönliche Erfahrung in Irland als "IT-Auswanderer"


Hier möchte ich meine Erfahrungen mit denjenigen teilen, die in Irland in IT-Branche ihr Glück versuchen wollen. Im Sommer 2005 habe ich mich bei mehreren Recruiting Agenturen in Dublin vorgestellt in der Hoffnung in Dublin als IT-Experte Fuß zu fassen. Daraus wurde zwar nichts, aber ich bin sehr Froh die Erfahrung gemacht zu haben. Mit dem Artikel will ich weder die deutschen IT-Fachkräfte dazu motivieren, nach Irland auszuwandern, noch jemanden davon abhalten

Warum:
Ich hatte eine feste Stelle in Deutschland bei einer mittelgroßen Firma in Rhein-Main Gebiet, bei der ich sofort nach meinem Studium eingestiegen war. Zwei Jahre fühlte ich mich als Experte in meinem Gebiet (C/C++/Linux) bis mich ein Freund auf eine russische Mailingliste (www.rsdn.ru) aufmerksam gemacht hat. Je mehr ich dort mitlas, desto mehr stellte ich fest, dass mein Lernfortschritt bei der Firma nicht mehr vorangeht. Ich war zur Erkenntnis gelangt - zur Erweiterung meines fachlichen Horizonts ist die internationale Umgebung unerlässlich.
Nach mehreren erfolgslosen Vorstellungsgesprächen bei den international tätigen deutschen Firmen (wie z.B. SESA, Rücker, ... ) habe ich mich für Direktbewerbungen bei den irischen Firmen entschieden.

Wieso Irland?
Irland ist nur 2 Flugstunden von Deutschland entfernt, der IT-Arbeitsmarkt ist angeblich ungesättigt, Irland ist englischsprachig , Irland ist ein Land der EU wo man aber fast original amerikanische hire&fire Arbeitsverhältnisse kennen lernen kann. Die letzten zwei Gründe waren Ausschlaggebend für mich: Verbesserung der Englischkenntnisse und die Abhärtung.

Warnung:
Mir ist eingefallen, dass mein ehemaliger Studienkollege seinerzeit sein Glück in Irland versucht hatte. Ich rief ihn an, und er warnte mich, es mit Irland nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Seine Ratschläge haben sich später als Goldwert erwiesen.

Was tun:
Als erstes braucht man ein CV- und ein Cover Letter - Schablone, um die Firmen anzuschreiben. Beides unterscheidet sich von dem deutschem Lebenslauf und dem Anschreiben. Zum Schreiben des Anschreibens fand ich die Seite http://www.englisch-hilfen.de/words/commercial_briefe.htm sehr hilfreich.

Die Jobangebote findet man bei www.monster.ie. Lass Dich von der Fülle der Angebote nicht euphorisch machen. Irland erteilt sehr leicht Arbeitserlaubnis für osteuropäische und russische IT Mitbewerber. Und sie sind fachlich verdammt gut!
Wie man in den Anzeigen sieht, kaum eine IT Firma sucht die Leute direkt. Die Recruiting wird "outgesourced".
Ich habe mich bei folgenden Recruiting-Firmen per E-Mail schriftlich beworben:


Nur eine Firma hielt es für angebracht (Hudson), ein Mail zur Bestätigung des Bewerbungsempfangs zu schicken. Ich ließ mich davon nicht abschrecken, und reservierte bei Rain-Air ein Ticken nach Dublin. Zwei Wochen vor dem Abflug war mir das Schweigen der Firmen doch unheimlich, und ich habe sie alle angerufen.
Kaum einer der Gesprächspartner auf dem anderen Ende der Telefonleitung konnte meine Bewerbungsunterlagen finden. Die Ergebnisse der Anrufe erstreckten sich von "We are not interested" bis "Let's speak if you are in Dublin". Nun wurde ich richtig nervös. Alten Job habe ich gekündigt, und zwei Wochen vor dem Abflug hatte ich nichts festes in Irland.
Völlig unerwartet habe ich die Einladungen zu den Vorstellungsgesprächen bei Siemens und Rohde&Schwarz bekommen, aber dazu später.

In Irland:
Leider kann ich nur ein Tipp geben, was das Wohnen in Dublin betrifft - wohne bei einem Freund. Du hast keinen in Dublin? Schlecht. Ich wohnte in der Familie meines Freundes und blieb dadurch von den völlig unvorstellbaren Mietpreisen verschont.
Am nächsten Tag nach der Ankunft ging ich zu den o.g. Firmen. Obwohl ich in Deutschland viel Erfahrung mit Arbeitsvermittlungsfirmen hatte, wurde ich in Irland vom neuen überrascht. Die Firmen hausten oft im Treppenhaus. Nach dem "Hello" kam sofort "Do you have your CV?". Nach der flüchtigen Ansicht des Lebenslaufes und dem Finden der Stichworte wie C++, Java oder SQL wurde ich meist gebeten, auf einen Consulter zu warten. In einigen Minuten kam der Consulter, und fragte mach dem letzten Projekt und der Selbstdarstellung. (Das ganze ereignet sich immer noch in einem Treppenhaus!) Je nachdem wie die ersten Sätze waren, gab es entweder eine Visitenkarte und das Versprechen in Kürze angerufen zu werden, oder die Einladung ins Büro zum weiteren Gespräch. Über die "Treppenhaus-Hürde" habe ich allerdings nur bei drei Firmen geschafft: Hudson, Computer-People und Rescon.
Ich musste feststellen, dass meine Linux, C++, Qt Kenntnisse dort nicht gut ankamen. Öfters wurde ich nach C#, .NET, MS-SQL, MSVC gefragt. Wie man sieht, Irland blieb von Microsoft-Einfluss nicht verschont.

Nach drei Tagen habe ich alle Zielfirmen besucht, und bei keiner ein beruhigendes Ergebnis erhalten. Die Erlösung war ein Anruf aus München von Siemens mit der Zusage. Die letzten zwei Tage konnte ich danach Dublin als Tourist genießen.

Ergebnis:
Obwohl ich mein direktes Ziel nicht erreicht habe, einen Job in Irland zu finden, habe ich in der Vorbereitungsphase meine Englischkenntnisse sehr stark verbessert. Durch die Vorstellungsgespräche in Dublin habe ich ebenfalls sehr viel Selbstvertrauen gewonnen.
Die Erfahrung hat mir viel Geld gekostet, aber ich finde sie es Wert.

P.S.:
In April 2007 wurde ich völlig unerwartet von einer der Firma angerufen. Eine Frau sprach mich auf Deutsch an:
"... unsere Niederlassung in Deutschland sucht freiberufliche IT-Spezialisten und wir fanden Ihr CV ganz interessant ... ".
So fing meine Karriere als Freiberufler an.


Valentin Heinitz, 2008-01-03, Wiesbaden



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