Fukushima – Media Watch
Die ungeheuerlichen Lügen und erschreckend inkompetente Berichte, die von den Massenmedien im Zusammenhang mit Fukushima-Tragödie verbreitet werden, haben mich dazu veranlasst, auf der nun doch softwaretechnisch orientierter Seite ein Blog dazu anzulegen. Hier versuche ich die Medien zu verfolgen, und die schillerndsten Medienmeldungen zu kommentieren.
FOCUS
Titel: Japaner bleiben trotz Kernschmelze gelassen
Dienstag, 24.05.2011, 13:06
Artikellink: http://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/fukushima-japaner-bleiben-trotz-kernschmelze-gelassen_aid_630463.html
Zitat: Bisher hatte Tepco lediglich eingeräumt, dass in Reaktor 1 die Brennstäbe größtenteils geschmolzen waren und sich die gefährliche Masse nun wahrscheinlich am Boden des Reaktor-Druckbehälters befindet. Auch in den Reaktoren 2 und 3 dürfte der größte Teil der Brennstäbe bereits 60 bis 100 Stunden nach dem Beben am 11. März geschmolzen und nach unten gelaufen sein
Diesen Artikel habe ich am 2011-09-10 zufällig gefunden. Obwohl ich an Fokushima-Tragödie sehr interessiert bin, ist die sensationelle Nachricht über die Kernschmelze an mir vorbei gegangen. Ich meine, dass es eine Kernschmelze höchstwahrscheinlich war, dürfte jeder Elektrotechnikingenieur wissen, der Energietechnick auch nicht als Hauptfach im Studium hatte. Jedoch, dass Tepko und Atomlobbyisten wie FOCUS es zugeben, das ist mir irgendwie entgangen.
Das Perfide an der Meldung ist, sie stellt die Kernschmelze als eine Banalität dar. Nach dem Motto “Hat ja sowieso jeder gewusst, ist aber doch nicht so schlimm gewesen”. Dazu zitiert FOCUS den Leiter des Lehrstuhls für Reaktorsicherheit RWTH Aachen, Herrn Hans-Josef Allelein: „Das ist der Zustand, den die Fachwelt erwartet hat“ Im Konjunktiv I fügt FOCUS hinzu “Die Situation werde nun nicht gefährlicher” – was man als Leser auch der Aussage Herrn Allelein zuschreiben kann.
Die zwei Aussagen passen nicht zusammen. Radioaktives Material im Grundwasser, ist etwas, was schlimmer bei so einer Katastrofe nicht kommen kann. Radioaktiv versäuchtes Material an der Erdoberfläche kann man aufsammeln, Gebiete abriegeln, es ist sehr schlimm, aber rein theoretisch lässt es sich etwas dagegen machen. Wenn das Gift unter der Erde im Grundwasser ist, dann weiss man erst gar nicht mehr, wo es in tödlicher Gestalt auf der Erdoberfläche in Erscheinung tritt – ob als Quellwasser oder als Früchte einer Pflanze hunderte von Kilometern im undefinierbaren Umkreis. Also stehen FOCUS und Atomlobby mit der Meinung, dass die Gefahr vorüber ist, ziemlich allelein da.
Was mich, als einen der Atomkraft kritisch gegenüber stehenden Menschen, fast wütend macht, ist die schamlose Umdrehung der Tatsachen. Währen FOCUS & Co nach der Katastrofe die Kernschmelze-Meinung verspottet und abgelehnt haben, behaupten sie jetzt, es wäre damals eine klare Sache gewesen, aber nicht von großer Wichtigkeit.
Wenn ich mit diesem Artikel zu den Leuten renne und beteuere: “Schaut hin, es war doch eine Kernschmelze, es war richtig was ich damals meinte, und die Medien haben es schon damals auch gewußt”, dann werde ich so wie damals wieder ausgelacht “Ääää? Was meinst Du überhaupt? Worum geht’s?”. Es liegt eine Vermutung nahe, dass die Mainstreammedien sich bei Ihrer Strategie von Le Bon bedienen, was ihre Meinung über das Urteilsvermögenneveau ihrer Leser als sehr gering offenbaren würde. Aus der gleichen Ecke kommt die Aussage: “Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß.” (A. Hitler) – fühlt sich da jemand angesprochen?
.ausgestrahlt
Titel: “Kernschmelze schon durch Erdbeben” – Interview mit Mycle Schneider
Rundbrief 13, Sommer 2011
Artikellink: http://www.shop.ausgestrahlt.de/fileadmin/user_upload/shop/verteilmaterial/rundbrief13.pdf
.ausgestrahlt ist wohl die bekannteste Anti-Atomlobby NGO in Deutschland die die Massenproteste nach Fukuschima-Tragödie deutschlandweit koordiniert hat und zu derem Verdienst man die Abschaltung von 7 AKw zählen kann.
In der Somerausgabe des Rundbriefs veröffentlicht .ausgestrahlt Interview mit Mycle Schneider. Aus dem Interview geht klar hervor, dass die Verschleierung der Katastrophe in den Medien eine weltweit koordinierte Aktion war. Mycle Schneider entlarvt die Tsunamiversion der Ursache als ein Mythos und mach deutlich, dass solche Zerstörung nur durch das Erdbeben möglich war – was solche Katastrophe plötzlich nicht nur in Japan sondern überall in der Welt möglich macht.
Spiegel-Online
Titel: Fukushima-Katastrophe: Sechs weitere Tepco-Männer verstrahlt
13.06.2011, cib/dpa
Artikellink: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,768205,00.html
Zitat: Zuvor hatte der Betreiber (Tepco) mitgeteilt, dass zwei von ihnen einer Strahlenmenge ausgesetzt waren, die mehr als das Doppelte über dem erlaubten Grenzwert von 250 Millisievert liegt
Im klartext, die Männer haben über 0,5 Sievert aufgenommen, was einen qualvollen Tod bedeutet. Was meint aber Spiegel-Online mit erlaubten Grenzwert von 250 Millisievert? Es ist der Grenzwert, der im Katastrofenfall, ein mal im Leben zulässig ist. Der normale Grenzwert liegt immer noch bei 1-2 mSv pro Jahr, d.h ca. 0,1mSv pro Monat! Also, dass die Arbeiter schon nach drei Monaten seit der Katastrofe mit über 500 mSv bestrahlt sind ergibt keine doppelt- sondern mehr als tausendfach-zulässige Strahlendosis.
Für mich ist hier ein klarer Fall von bewusster Zahlenmanipulation zwecks der verharmlosender Darstellung der Tatsachen und einer schleichender Unterjübelung der “neuen Strahlengrenzwerte” dem Leser.
Echo-Online (Darmstadt)
Titel: Demo in Biblis: Ein deutliches Signal an die Politik
25. April 2011, Von Hans Dieter Erlenbach
Artikellink: http://www.echo-online.de/region/bergstrasse/biblis/Demo-in-Biblis-Ein-deutliches-Signal-an-die-Politik;art1238,1789916
Zitat: Am Ende standen vielen Menschen Tränen in den Augen. Nikolaj Bondar, einer von rund 350 Freiwilligen, die nach der Explosion im Atomkraftwerk Tschernobyl vor 25 Jahren mit nur mäßiger Schutzkleidung in den Reaktor gingen, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern, entschuldigte sich, dass er noch lebt
Darmstädter Echo ist nur eine unbedeutende, regionale Zeitung. Doch der Standardmuster kann in jeder anderer, der Atom-Lobby nahe stehender Zeitung erkannt werden. Hier werden wieder nur ganz neben läufig von 350 Liquidatoren gesprochen, und der Fokus sofort auf die Emotionen gerichtet – “Tod der Kameraden”. So bleiben dem Leser 350 Menschen, von denen 150 gestorben sind in Erinnerung als eine Tatsache. Dabei hat Herr Erlenbach “vergessen” zu erwähnen, dass diese 350 Freiwillige lediglich zu einer der tausenden Gruppen gehörten, die in Tschernobyl ihre Gesundheit und Leben aufs Spiel setzten. Insgesamt waren es um die 1.000.000 – also deutlich mehr als 350.
FOCUS
Titel: Selbst bei Super-GAU – Fukushima nicht vergleichbar mit Tschernobyl
Mittwoch, 16.03.2011, 14:19
Artikellink: http://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/japan-selbst-bei-super-gau-fukushima-nicht-vergleichbar-mit-tschernobyl_aid_609267.html
Zitat: Allerdings wurde bei dem Super-GAU in Tschernobyl Radioaktivität hoch in die Atmosphäre geschleudert, was in Japan nicht geschehen dürfte. Deshalb hält Greenpeace-Atomexperte Jan Haverkamp die Atom-Katastrophe für nicht vergleichbar mit der in Japan
Die Hauptaussage in dem Artikel “Nicht so wie in Tschernobyl, Radioaktive Wolke fliegt nicht zu uns, sondern bleibt in Japan (da wo es Tsunamis gibt)”. Und da es hierzulande keine Tsunamis gibt, ist der Durchschnittsbürger beruhigt, hält hiesige AKWs für sicher und beteiligt sich nicht an Protesten.
Der Artikel wurde von vielen “Lesern” als sehr gut und informativ in den Online-Kommentaren gepriesen. Zitat: “Eine derart objektive Einschätzung der Gefährdungslage hätte ich gerade von Greenpeace eigentlich nicht erwartet. Dieser Artikel sei als Pflichtlektüre allen Berufshysterikern und Geigerzählerkäufern hier im Land empfohlen”
Leser in Anführungszeichen, weil kurz nach der Katastrophe Focus-Online eine Zensur für Kommentare eingeführt hat. Ich, als Leser (nicht in Anführungszeichen) habe Kommentar zu dem Artikel mit der Frage nach der Authorität von Herrn Haverkamp gestellt. Das Kommentar wurde von Focus-Online nicht angezeigt. Die übrigen “Leser” haben ihre richtige Namen nicht preisgegeben, könnten also genausogut die Azubis von Focus-Online sein.
Also, wer ist dieser Jan Haverkamp? Aus der Darstellung von dem o.g. Link: “After studying Chemistry at Leiden University, Jan graduated from Wageningen Agricultural University (both in the Netherlands) in environmental communication sciences.”
Was ist den bitte schön environmental communication sciences? Ein Fach für PR-Arbeit, wenn ich es richtig verstehe. Also ist Herr Haverkamp doch nicht vom Fach?
Warum absolviert jemand ein bla-bla Fach, der ursprünglich an Chemie interessiert war? Also, ich kannte an unserer FH einige, die Chemie einfach nicht packten (PH ist ja nicht jedermanns Sache) und wechselten zu Sozialwesen.
Kurz und Knapp, hier hat Focus-Online schon wieder einen Pseudo-Experten zu Rate gezogen.
FOCUS
Titel: Radioaktivität. Die unsichtbare Gefahr
Samstag 12.03.2011, 14:43 · von FOCUS-Online-Redakteurin Katrin Hoerner
Artikellink: http://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/wissenschaftliche-hintergruende/radioaktivitaet-die-unsichtbare-gefahr_aid_607864.html
Zitat: Unmittelbar nach dem Vorfall in Tschernobyl erkrankten mehr als 130 Arbeiter und Feuerwehrleute an akuter Strahlenkrankheit. Im selben Jahr starben 28 davon, weitere 19 in den folgenden Jahren. Für andere mögliche Folgeerkrankungen, die sich schleichend über Jahre entwickeln, existiert kein Register und entsprechend eine hohe Dunkelziffer.
Hier gibt FOCUS verhältnismäßig winzigen Zahlen an aber gibt sie für erschreckend große (mehr als!) aus. Woher stammen die Zahlen? Es sind die offiziellen Zahlen, die die Sowjetpropaganda damals angegeben hat. Dem Leser bleibt nur zu rätseln, ob sich die Dunkelziffer nun auf die restlichen 73 Strahlenerkrankte sich bezieht oder auf noch mehr. Und natürlich gibt es Register und Zahlen, aber Frau Hoerner kennt anscheinend lediglich nur Wikipedia. Es gibt Statistiken über Leukämieerkrankungen in der Region, Immunschwächen, gestiegene Rate der Toten und missgebildeten Neugeborenen.
Laut der Darstellung von FOCUS-Online, studierte die Redakteurin – Frau Katrin Hoerner Kunstgeschichte, Germanistik und Kommunikationswissenschaft arbeitete für Zeitschriften wie „Freundin“, „Das Haus“ in den Themen Medizin, Ernährung, Psychologie. Frau Hoerner habe zusammen mit einer Ärztin (Name nicht angegeben) eine Methode zur Rauchentwöhnung entwickelt und ein Buch darüber geschrieben [link].
Solcher Werdegang macht Frau Hoerner aus meiner Sicht nicht kompetent genug, andere Menschen über Risiken und Gefahren der Radioaktivität aufzuklären. Ich frage mich nur, ist Frau Hoerner denn alles, was FOCUS an Fachkompetenz zu bieten hat?
FOCUS
Titel: Arbeitsloser dringt auf Atomkraftwerksgelände vor
Freitag 01.04.2011, 17:24
Artikellink: http://www.focus.de/panorama/vermischtes/fukushima-arbeitsloser-dringt-auf-atomkraftwerksgelaende-vor_aid_614343.html
Zitat: “Die vier Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima-Daini wurden nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März kontrolliert heruntergefahren”
Unter kontrolliertem Herunterfahren verstehe ich etwas anderes als das hier: http://citypictures.org/data/media/347/fukushima-explosion.jpg Man suche in Google nach “fukushima explosion” “fukushima second explosion” “fukushima third explosion”.
Wird Biblis etwa auch kontrolliert heruntergefahren? Dann schnell weg aus Deutschland!
Entweder waren FOCUS Reporter letzte drei Wochen besoffen, oder sind wir hiermit die Zeugen von schamloser Geschichtsumschreibung. Zwei-drei Wochen Zeit hält FOCUS offensichtlich für angemessen, um die Geschichte unter dem Regie der Atomlobby neu zu erfinden. In der Zeit gab es ja auch andere Sachen, die den Durchschnittsbürger haben beschäftigen dürfen. DSDS zum Beispiel. Also dürfte sich der “normale” Bürger an den Hergang der Atomkatastrofe in Fukushima nicht mehr klar erinnern, so die FOKUS-Logik.
Ja klar, die Zeit drängt. Bis zum Entscheidungstermin zur endgültigen Stilllegung müssen die Schrecken-Szenarios in den Otto-Normal-Gehirnen ausgewaschen werden. Dann gibt es weniger Demonstranten.
LINKS
Kritische Betrachtung so genannter “ungefährlicher Dosen” der Radioaktivität
http://www.tagesspiegel.de/wissen/die-taegliche-dosis-9/4037614.html
